Bei der Instandsetzung eines Frequenzumrichters entscheidet der Zustand des Zwischenkreiskondensators wesentlich über die Restlebensdauer des Antriebs. Das Bauteil speichert die Energie zwischen Gleichrichter- und Wechselrichterstufe und wird im Betrieb durch Rippelstrom, Schaltfrequenzanteile und Umgebungstemperatur dauerhaft beansprucht. Ob ein Austausch nötig ist oder das vorhandene Bauteil weiter verwendet werden kann, lässt sich nur anhand gemessener Kenndaten beantworten. Die folgenden Kriterien beziehen sich auf Aluminium-Elektrolytkondensatoren in Umrichtern bis etwa 30 kW und lassen sich auf größere Leistungsklassen übertragen.
Belastungsprofil des Zwischenkreises
Der Gleichrichter eines 400-V-Umrichters erzeugt eine Zwischenkreisspannung von etwa 560 V bis 590 V im Nennbetrieb. Bei der zulässigen Netzüberspannung von 10 % können kurzzeitig über 620 V anliegen. Die nachgeschaltete Wechselrichterstufe nimmt den Strom in Impulsen mit der Schaltfrequenz auf, typisch 2 kHz bis 16 kHz. Dadurch überlagert sich dem 300-Hz-Grundrippel des Sechspulsgleichrichters ein hochfrequenter Rippelstromanteil. Beim Bremsen über den Bremswiderstand kommen kurze, energiereiche Stromimpulse hinzu.
Der Kondensator muss diesen Rippelstrom aufnehmen, ohne seine Nenntemperatur zu überschreiten. Die Verlustleistung ergibt sich aus P = I_RMS² · ESR. Steigt der ESR um mehr als 30 % gegenüber dem Datenblattwert, nimmt die Eigenerwärmung deutlich zu und die Alterung beschleunigt sich. Die im Datenblatt angegebene Lebensdauer gilt für die Nenntemperatur bei vollem Rippelstrom. In guter Näherung verdoppelt sich die erwartete Lebensdauer pro 10 K niedrigerer Gehäusetemperatur.
Anforderungen an den Ersatzkondensator
Für eine belastbare Ersatzbeschaffung sind folgende Kenndaten festzulegen:
- Nennspannung: mindestens 400 V bzw. 450 V pro Element. Bei Reihenschaltung zweier Kondensatoren ergibt sich eine Gesamtspannung von 800 V bzw. 900 V; die Spannungsreserve deckt die im Betrieb auftretende Zwischenkreisspannung einschließlich Netzüberspannung ab.
- Kapazität: Der Nennwert des Ersatztyps sollte innerhalb der üblichen Toleranz von ±20 % dem Originalwert entsprechen. Die Mindestkapazität ergibt sich aus der zulässigen Spannungsüberhöhung des Zwischenkreises bei Lastspringen.
- Rippelstrom: Der zulässige Rippelstrom des Ersatztyps muss den effektiv im Betrieb auftretenden Wert abdecken. Reicht der Wert nicht aus, ist ein Bauteil mit höherem Rippelstrom oder eine zusätzliche Kühlung vorzusehen.
- ESR: Der Ersatztyp sollte einen ESR in der Größenordnung des Originaltyps aufweisen. Ein deutlich niedrigerer ESR ist unkritisch, ein höherer ESR erhöht die Verlustleistung und die Eigenerwärmung.
- Bauform und Anschluss: Schraub- oder Snap-In-Anschluss, Durchmesser, Höhe und Achsabstand müssen zum Montageplatz passen, damit die mechanische Befestigung erhalten bleibt.
Kenndaten des Ersatztyps im Überblick
Die folgende Tabelle fasst die Prüf- und Entscheidungskriterien zusammen, die vor und nach dem Einbau anzuwenden sind.
| Kenngröße | Messbedingung | Grenzwert / Entscheidungskriterium |
|---|---|---|
| Kapazität C | LCR-Messung bei 100 Hz oder 120 Hz, Raumtemperatur | Neuteile: 90 % bis 120 % des Nennwerts; gebrauchte Bauteile unter 80 % tauschen |
| ESR | LCR-Messung bei 10 kHz | maximal 1,5 × Datenblattwert; darüber nicht weiterverwenden |
| Leckstrom I_L | 5 min unter Nennspannung bei 20 °C | maximal 0,01 × C × U_R; C in µF, U in V, Ergebnis in µA |
| Rippelstrom | Betriebsmessung mit Stromzange über den Lastzyklus | Effektivwert bleibt unter dem Datenblattwert, Sicherheitsmarge etwa 10 % |
| Arbeitsspannung | Dauerbetrieb im Umrichter | maximal 90 % der Nennspannung; bei Reihenschaltung Ausgleichswiderstände vorsehen |
Einbau- und Prüfhinweise
Vor dem Einsetzen ist der neue Kondensator über einen Vorwiderstand zu laden. Das begrenzt den Einschaltstrom im Umrichter und schützt die Gleichrichterdioden. Nach dem Ausbau muss der Zwischenkreis über einen Entladewiderstand vollständig entladen werden. Als Faustregel sind mindestens fünf Zeitkonstanten τ = R · C abzuwarten; die Spannung ist anschließend direkt an den Klemmen nachzumessen.
Bei der Reihenschaltung zweier Kondensatoren sind Ausgleichswiderstände parallel zu jedem Element erforderlich. Sie verteilen die Spannung gleichmäßig und verhindern die Überbeanspruchung eines einzelnen Bauteils. Übliche Werte liegen zwischen 47 kΩ und 220 kΩ; die Verlustleistung der Widerstände ist bei der Dimensionierung zu berücksichtigen.
Nach der Inbetriebnahme sollten drei Messungen im Instandhaltungsprotokoll festgehalten werden:
- Zwischenkreisspannung im Leerlauf und unter Nennlast;
- Rippelstrom im Zwischenkreis mit einer Stromzange über den betrieblichen Lastzyklus;
- Oberflächentemperatur des Kondensators nach mindestens einer Stunde Dauerbetrieb.
Die Messwerte werden mit den Daten des Ersatztyps abgeglichen und dokumentiert. Damit bleibt die Ersatzbeschaffung auch bei späteren Revisionen nachvollziehbar. Die Messbedingungen lassen sich an die einschlägige Norm DIN EN 60384-4 anlehnen, die für Aluminium-Elektrolytkondensatoren gilt.